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Mit Tempo zur Winzerer Donaubrücke

Anbindung der Stadt Osterhofen an Deggendorf – 1972 standen mehrere Standorte in der Diskussion

Die Donau-Wald-Brücke von Osterhofen nach Winzer wurde im Zuge der Gebietsreform errichtet. Im Vorfeld waren einige andere Standorte im Gespräch. Heute ist es kaum vorstellbar, dass erst in den 1970er Jahren eine Brücke gebaut wurde, vorher bestanden im Raum Osterhofen nur Fährverbindungen über die Donau. − Foto: Airflypix

Die Donau-Wald-Brücke von Osterhofen nach Winzer wurde im Zuge der Gebietsreform errichtet. Im Vorfeld waren einige andere Standorte im Gespräch. Heute ist es kaum vorstellbar, dass erst in den 1970er Jahren eine Brücke gebaut wurde, vorher bestanden im Raum Osterhofen nur Fährverbindungen über die Donau. − Foto: Airflypix

04.07.2022

Osterhofen. Vom Faschingsscherz zur Morgengabe: Der Traum von der Donaubrücke hat beim Osterhofener Faschingszug 1971 noch für Lacher gesorgt. Doch genau ein Jahr später, im März 1972, befand sich die Brücke am heutigen Standort bei Winzer im konkreten Planungsstadium. Der Deggendorfer Landrat Krug bezeichnete die Donaubrücke als „Morgengabe“ für Osterhofen, „um das Zusammenwachsen fördern zu können“. Dies war Teil der Gebietsreform, mit der die Stadt vom früheren Landkreis Vilshofen zum Landkreis Deggendorf wechselte.Erste Planungen für eine Donaubrücke bei Winzer gab es bereits im Jahr 1909. Doch erst die Debatte um die Gebietsreform 1972 öffnete ein kurzes Zeitfenster, das die Osterhofener um Bürgermeister Markus Stöger und Stadtrat Gotthelf zu nutzen verstanden. Der Landkreis Vilshofen hatte wenig Interesse für den Osterhofener Wunsch nach einer Donaubrücke gezeigt. Anders war dies im künftigen Großlandkreis Deggendorf: Das Gebiet um Osterhofen war nur mit einer Donaubrücke zu haben. So wurde die Donau-Wald-Brücke schließlich so schnell gebaut, dass man quasi übers Ziel hinausschoss: Die Stahlkonstruktion war anfangs zu lang und musste gekürzt werden.


Heute sind die Winzerer Donaubrücke sowie die Trasse zwischen Arbinger Kreuzung und Hengersberg selbstverständlich. Doch 1972 waren zusätzlich zur gebauten Variante durchaus andere Brückenstandorte und Trassen im Gespräch.

Eine Variante sah den heutigen Brückenstandort vor, jedoch mit einem anderen Straßenanschluss: Hier wäre man über die geplante Osterhofener Umgehungsstraße von Ruckasing zur Brücke gefahren, die bei Winzer über die damalige Kreisstraße angebunden gewesen wäre. Bei dieser Variante wären zwar die Straßenbaukosten deutlich günstiger gewesen, die zuständigen Fachstellen und Planer dachten jedoch in größeren Dimensionen: Die Brücke diente nicht nur als Verbindung zwischen B 8 und der A 3, sondern darüber hinaus der Erschließung des gesamten Raumes vom Bayerischen Waldbis ins Rottal. Für die Brücke waren 25 Millionen D-Mark veranschlagt, worauf 5 Millionen D-Mark auf den Straßenbau entfielen. Die Brücke selbst sollte 500 Meter lang werden und eine zwölf Meter breite Fahrbahn aufweisen. Beidseits war ein 2,50 Meter breiter Gehweg vorgesehen.

Im Gespräch waren zwei weitere Brückenstandorte: Ursprünglich am aussichtsreichsten war ein Brückenschlag südöstlich von Niederalteich nach Aicha. Der Anschluss an die B 8 hätte über den Mühlhamer Berg erfolgen müssen, der jedoch bereits als Siedlungsgebiet verplant war. Eine untergeordnete Rolle spielte schließlich die vierte Variante südwestlich von Niederalteich bei der Scheibenstraße. Rechts der Donau wäre der Straßenanschluss bei Thundorf erfolgt.

Politisches Ziel war, die Brücke durch einen Anschluss an eine Staats- oder Bundesstraße aufzuwerten. Die Brückenstandorte bei Aicha und Thundorf gaben das nur schwer her. Hinzu kam die geplante Staustufe im Zuge des Donauausbaus: Der höhere Wasserstand oberhalb der Staustufe hätte eine höhere Brücke mit höheren Rampen bedingt und damit die Baukosten verteuert, so die Argumentation der Befürworter der Winzerer Donaubrücke.

In den Gemeinden Moos und Aicha sah man das freilich anders. Hier bevorzugte man einen Standort bei Thundorf oder Aicha. So organisierte der damalige Mooser Bürgermeister Josef Glashauser im „Mühlhamer Keller“ eine Aussprache mit allen beteiligten Bürgermeistern und Gemeindevertretern über das Für und Wider des Brückenstandortes. Gemeinderat Ammer aus Thundorf argumentierte dabei mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft und Arbeitsplätzen in der Industrie. Mit einer Brücke bei Niederalteich sei etwa das Textilwerk in Seebach für Arbeiter aus Thundorf leichter erreichbar. Pater Willibrord von der Abtei Niederaltaich wünschte sich eine günstige Verkehrsanbindung zum Gymnasium, das zu der Zeit 31 Schüler aus dem Osterhofener Raum besuchten.

Der Landkreis Deggendorf hatte die Bauträgerschaft für die neue Brücke übernommen und machte Tempo für den Standort bei Winzer: Landrat Krug hatte zwar ursprünglich eine Brücke bei Aicha und Mühlham bevorzugt und schien der Debatten überdrüssig zu sein. „Jetzt soll nicht mehr lange geredet, sondern endlich gehandelt werden“, sagte er. Bürgermeister Markus Stöger pflichtete bei: „Mit Sicherheit wird der Brückenbau gebremst werden, wenn man jetzt wieder mit einem neuen Standort kommt.“

Für Osterhofen ging es um viel: Osterhofen wurde mit Altenmarkt (zusammen 6000 Einwohner) zum Unterzentrum aufgestuft. Aus Osterhofener Sicht brauchte es dazu die Verbindung zum Vorwald. Stöger wies Gerüchte von sich, wonach er in Landshut Einfluss auf den Brückenstandort genommen hätte. Dort seien ausschließlich die Fachbehörden unter sich gewesen.

Bürgermeister Podolsky aus Winzer betonte das traditionell gute Verhältnis zwischen Osterhofen und Winzer. Eine Brücke bei Winzer sei demnach dienlich für das Zusammenwachsen der Landkreisteile. So kam es dann auch. Michael Kufner

Wie Osterhofen entstand

Zehn Gemeinden verbanden sich 1971, Aicha folgte 1978

Osterhofen. Die Gebietsreform in Bayern erfolgte 1972, doch bereits im Jahr davor wurden die nötigen Beschlüsse gefasst – auch für den Zusammenschluss zur großen Stadtgemeinde Osterhofen.

Die Altenmarkter waren vor 51 Jahren die erste Gemeinde, die sich Osterhofen anschließen wollte. Der Altenmarkter Gemeinderat traf am 31. März 1971 mehrere richtungsweisende Entscheidungen: Das Gremium befürwortete den Zusammenschluss mit Osterhofen und hob damit einen anderslautenden Beschluss vom17. März 1970 auf. Denn die Staatsregierung winkte mit Sonderzuweisungen – für Altenmarkt standen konkret 640 000 Mark im Raum.

Altenmarkts Bürgermeister Ludwig Sturm ließ sich vom Osterhofener Bürgermeister Markus Stöger und dem Stadtrat zusichern, dass dieses Geld innerhalb von sieben Jahren in Altenmarkt verwendet würde. Am6. April 1971 befürwortete der Osterhofener Stadtrat in einer gemeinsamen Sitzung mit den Altenmarktern die Fusion der beiden Kommunen.

Das Wort Sonderschlüsselzuweisungen war 1971 wohl Gegenstand vieler Biertischgespräche in den Gemeinden rund um Osterhofen. Innerhalb weniger Monate nahm die Großgemeinde Gestalt an. Neben Altenmarkt schlossen sich die Gemeinden Anning, Galgweis, Gergweis, Göttersdorf, Kirchdorf, Langenamming, Niedermünchsdorf und Wisselsing der Stadt Osterhofen an. Ursprünglich war als Termin der 1. Juli 1972 anvisiert.

Doch dann ging es noch schneller: Zum 1. Januar 1972 schlossen sich zehn Gemeinden zur Großgemeinde Osterhofen zusammen. Mit 70 Prozent wählten die Bürger Markus Stöger am 6. Januar 1972 zum hauptamtlichen Bürgermeister.

Zeitgenossen attestieren dem späteren Ehrenbürger großes diplomatisches Geschick beim Formen der Großgemeinde Osterhofen. In manchen Dörfern gab es durchaus Vorbehalte. Die Stadt musste viel Überzeugungsarbeit leisten und Vertrauen aufbauen.

Die Gemeinde Aicha ließ sich nicht überzeugen – noch nicht. Sie kam erst am 1. Mai 1978 zu Osterhofen. Ein Teil der Debatte des Jahres 1971 lässt sich im Archiv der OZnachlesen. So wollten die Bürger von Ruckasing und Polkasing nach Osterhofen und stellten am 12. November 1971 einen entsprechenden Antrag an die Gemeinde Aicha. Diesen hatten 46 Haushaltungsvorstände und deren Ehefrauen unterzeichnet.

Die Stadt Osterhofen hatte im Jahr 1971 eine Fläche von 2,8 Quadratkilometern. Nach Abschluss der Gemeindegebietsreform waren es 111 Quadratkilometer. Beachtlich war auch der Bevölkerungsanstieg: 1971 zählte Osterhofen 3800 Einwohner, ein Jahr später 9600. In den Folgejahren wuchsen die elf Stadtteile zu einer prosperierenden Kommune zusammen, die gemeinsam mehr erreicht hat als die einzelnen Vorläufergemeinden. − mik