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Pfarrei und Ortsvereine stolz auf überaus gelungenes Kooperationswerk – Bisher Eigenleistung im Umfang von 25.000 Euro erbracht

Dorfgemeinschaftshaus verdient diese Bezeichnung vollumfänglich

04.07.2020

Reutern. In vollem Umfang gerecht wird das überaus gelungene Kooperationswerk im Herzen der Bad Griesbacher Vorstadt-Pfarrei Reutern der Bezeichnung Dorfgemeinschaft. Der ganze Ort mit den verschiedenen Vereinen war aktiv, um für sich und vor allem für die Jugend ein attraktives Kommunikationszentrum zu schaffen. Der alte Pfarrsaal hatte sich nach der verheerenden Überflutung infolge Starkregens 2016 als nicht mehr sanierungswürdig erwiesen. „Es waren immer genügend Leute da“, rühmt Kirchenpfleger Alois Gimpl das Engagement der vielen freiwilligen Helfer.Durch die Unwetterkatastrophe am 1. Juni vor vier Jahren waren die Fundamente des Pfarrsaals unterspült und die Trocken-Estriche durch eingedrungene Feuchtigkeit aufgeweicht worden. Noch kurz zuvor hatten die Verantwortlichen der Stadt- und der Pfarrgemeinde mit dem Gedanken einer Renovierung gespielt, sie aber gottseidank noch nicht in die Tat umgesetzt. Nach Begutachtung der Flutschäden lautete das Resultat: irreparabel. Die Stadt Bad Griesbach, anfangs Bauherrin, bemühte sich um Fördermöglichkeiten für das Bauprojekt auf dem Grundstück der Katholischen Pfarrkirchenstiftung. Die Lösung, für die entsprechende Zuschüsse aus öffentlicher Hand zu erwarten waren, zielte schließlich auf einen hochwassersicheren Neubau ab.

Die Bauträgerschaft übernahm zwischenzeitlich die Diözese Passau unter Beteiligung der Stadt Bad Griesbach mit einem Drittel an den auf 780.000 Euro veranschlagten Kosten, gedeckelt auf maximal 275.000 Euro. Im November 2018 rückten die Abbruchbagger an und machten den maroden Pfarrsaal dem Erdboden gleich, der am Standort für den Neubau um 1,25 Meter über gewachsenem Grund aufgeschüttet wurde. Im Mai 2019 begann die Errichtung des ohne Keller konzipierten Gebäudes in massiver Ziegelbauweise unter Berücksichtigung neuester Energie-Einsparvorgaben. Die genaue Positionierung des Baukörpers hatte Diözesanbaumeister Jochen Jarzombek zuvor festgelegt, damit er sich optimal in das Dorfbild einfügt.

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Über den gelungenen Neubau freuen sich (v.l.) Pfarrgemeinderatsvorsitzende Manuela Habeck, Architekt Markus Glenz, Feuerwehr-Vorsitzender Hans Lindner, Stadträtin und Gartenbauvereinsvorsitzende Monika Anschütz sowie Stadtrat und Kirchenpfleger Alois Gimpl.

Trotz der Corona-Krise ließ sich der Zeitplan weitestgehend einhalten, so dass die Fertigstellung – bis auf kleine Restarbeiten – nach gut einem Jahr bewerkstelligt war. Größtenteils heimische Handwerker arbeiteten auf der Baustelle und identifizierten sich mit diesem Ort, an dem auch eine Vielzahl ehrenamtlicher Kräfte fleißig zugange war. Auf rund 1000 Stunden beziffert der Kirchenpfleger deren bisherige Arbeitsleistung. Die oft kurzfristige Koordinierung und Organisation der Einsätze am Bau lief über eine eigens gegründete WhatsApp-Gruppe mit dem Kürzel DGH für Dorfgemeinschaftshaus, wie Alois Gimpl berichtet.
 

Entstanden ist auf Basis der ausgeklügelten Planung durch den Bad Griesbacher Architekten Markus Glenz im Erdgeschoß der 120 Quadratmeter große tageslichtdurchflutete Veranstaltungssaal, dazu ein 16 Quadratmeter umfassender Besprechungsraum, eine modernst und zweckmäßig ausgestattete Küche samt Ausschank (18 Quadratmeter), Toilettenanlagen mit Behinderten-WC sowie Garderobe und Technikraum. Im Obergeschoss, über eine Stahl-Außentreppe erreichbar, befindet sich der 25 Quadratmeter große Jugendraum mit eigenen Toiletten und Fenster hinunter zum Saal, das im Bedarfsfall zur Steuerung der Kommunikationstechnik genutzt werden kann.

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Dieser Blick bietet sich vom Jugendraum im Obergeschoss aus auf den Veranstaltungssaal mit der Deckenkonstruktion aus unterspannten Leimholzbindern. − Fotos: bp Mediendienste Fürstenzell

Auch unter ökologischen Aspekten liegt das Dorfgemeinschaftshaus voll auf der Höhe der Zeit. Die Versorgung mit Heizenergie erfolgt zu hundert Prozent CO2-neutral über das von einer Biogasanlage gespeiste Nahwärmenetz im Ort. Daraus ergibt sich ein großer Vorteil für den Brandschutz des Gebäudes, weil es durch Verzicht auf eine eigene Heizung keine Feuerquelle im Haus gibt, wie der Architekt hervorhebt. Alle Räume verfügen über Fußbodenheizung und dreifach verglaste Fensterelemente. Vorgaben der aktuellsten Energieeinsparverordnung – kurz EnEV genannt – sind komplett berücksichtigt, wozu auch eine Kompakt-Lüftungsanlage für den Saal gehört. Schiebeläden dienen zur Verdunkelung. Das in großer Menge verwendete Holz blieb gänzlich unbehandelt.

Vom Ergebnis der Gemeinschaftsinitiative zeigen sich die örtlichen Projektsteuerer tief beeindruckt. Sie loben vor allem die parteiübergreifende enge Abstimmung mit Bürgermeister Jürgen Fundke und dem Stadtrat sowie mit Stadtpfarrer Gunther Drescher. Entsprechend groß ist die Freude aller über die Möglichkeiten, die mit dem neuen Saal – in ihn ist auch der alte artesische Brunnen unter dem Fundament unauffällig integriert – verbunden sind. Endlich lassen sich wieder Veranstaltungen ausrichten, zumal es auch schon länger kein Dorfwirtshaus in Reutern mehr gibt. – bp