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Erfolgsgeschichte fordert Tribut

Mann der ersten Gebietsreform-Stunde: Roland Beier war als Jurist im Landratsamt tätig

Das Berchtesgadener Land ist schön am Morgen und im Norden: Im Bild die Stadt Laufen mit der markanten Schleife der Salzach und der Stiftskirche, die als die älteste gotische Hallenkirche Bayerns gilt.

Das Berchtesgadener Land ist schön am Morgen und im Norden: Im Bild die Stadt Laufen mit der markanten Schleife der Salzach und der Stiftskirche, die als die älteste gotische Hallenkirche Bayerns gilt.

05.07.2022

Sie reihen sich aneinander: Anton Georg, Hanna-Maria, Anja Elisa…Ein Name nach dem anderen, insgesamt 3.830. So viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt die Kliniken Südostbayern AG (KSOB). Rechnet man die der Tochtergesellschaften hinzu, sind es sogar rund 4.200. Sie alle sind im Jahresbericht der KSOB aufgeführt – als Zeichen der Wertschätzung. Denn, so Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher: „Medizin ist und bleibt sehr persönlich – Digitalisierung hilft viel, löst aber die Bedeutung der persönlichen Betreuung nicht ab. Es ist wichtig, dass wir jedem Patienten die entsprechende Betreuungsquote bieten, das können wir nur mit ausreichendem und qualifiziertem Personal“.Der Klinikverbund ist einer der größten Arbeitgeber im südostbayerischen Raum. Er bietet seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine ausgezeichnete Basis für ihre Karriere und Lebensplanung – und das in einem attraktiven Umfeld mit hoher Lebensqualität. Derzeit absolvieren bei den Kliniken Südostbayern außerdem rund 350 junge Frauen und Männer eine Ausbildung in den verschiedensten Berufszweigen, von Pflegefachmann/ frau, Pflegefachhelfer/in, OTA, ATA, MFA der Kauffrau/-mann im Gesundheitswesen bis zum Fachlagerist/in. Exemplarisch für das enorme Wissens- und Weiterentwicklungspotenzial der Mitarbeiterschaft steht das eigene Bildungszentrum für Gesundheitsberufe (BiG) in Traunstein. Es steht für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen und damit nah am Menschen. Auch mit der Hochschule Rosenheim und der Ludwig-Maximilians-Universität München pflegen die Kliniken Südostbayern enge Kooperationen, bieten Stipendien und fachliches Mentoring.Mehr Stärke durch VernetzungBei der Gebietsreform vor 50 Jahren gab es im Landkreis Berchtesgadener Land drei eigenständige Krankenhäuser: in Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Freilassing. Seit 2009 gehören diese Standorte zu den Kliniken Südostbayern, einem starken Verbund, unter dem sich auch das Klinikum Traunstein, die Kreiskliniken Trostberg und Ruhpolding befinden. Von ihm profitiert die gesamte Region. Nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als größter Anbieter für Gesundheitsdienstleistungen. Jährlich nutzen rund 160.000 stationäre und ambulante Patienten die wohnortnahe, kompetente und umfassende medizinische Versorgung. Geboten wird ihnen ein breites und gleichzeitig hochspezialisiertes Spektrum moderner Behandlungen: von der Frühgeborenenversorgung bis zur Altersmedizin. Seit der Fusion waren die Kliniken Südostbayern mehr als einmal, und nicht nur in der Region, Vorreiter in Sachen Spitzenmedizin.Krisenfest und zukunftsweisendDas medizinische Leistungsportfolio der Kliniken Südostbayern wird permanent weiterentwickelt, auch Neuausrichtungen und Profilschärfungen aller Klinikstandorte gehören dazu. Dabei sind Patientensicherheit, medizinische und Prozessqualität ebenso wichtig wie die demographische Entwicklung der Bevölkerung und Erkrankungen.So wurde Ruhpolding bereits zum Schmerzzentrum umgewandelt und die Akutgeriatrie nach Trostberg umgesiedelt. Auch die Entwicklung hin zur Ambulantisierung von bislang stationären Leistungen wird immer wichtiger werden. „Die Pandemie hat bestätigt, es sind deutlich mehr Eingriffe ambulant möglich als bisher angenommen“, sagt Dr. Gretscher. Was die vergangenen Pandemiejahre ebenfalls verdeutlicht haben: Trotz enormer Herausforderung und Belastung stehen die Kliniken Südostbayern wirtschaftlich stabil da und sind investitionsfähig. Auf dieser Basis wird der Standort Traunstein nahezu vollständig erneuert und ist ein Neubau der Zentralklinik Berchtesgadener Land in Planung.Alle Entwicklungen ermöglichen und tragen die vielen motivierten Mitarbeiter mit, die mit höchstem Einsatz rund um die Uhr medizinische Versorgung in den Landkreisen sicherstellen.Das Personalmanagement wird daher weiterhin und zunehmend eine zentrale Rolle spielen und orientiert sich dabei umso mehr an den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mehr Selbstorganisation, Prozessworkshops und Schulungen sind hierbei nur einige von vielen Bausteinen. Auch der über die letzten Jahre begonnenen digitalen Neuausrichtung von Strukturen und Prozessen, insbesondere der patientenbezogenen, kommt in diesem Zusammenhang große Bedeutung zu. Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher: „Eine Pflegekraft soll so viel Zeit wie möglich am Patienten und im Dialog mit ihm verbringen können und nicht mit Bürokratie im Stationszimmer“.

Berchtesgadener Land. Roland Beier, einst Jurist im Landratsamt, ist ein Mann der ersten Stunde der Gebietsreform. Es habe Gewinner und Verlierer gegeben, sagte der 78-Jährige im Januar im Interview mit der Heimatzeitung anlässlich des beginnenden Jubiläumsjahrs. Unterm Strich gibt es für ihn aber keinen Zweifel: „Die Reform war für das gesamte Berchtesgadener Land ein Erfolgsmodell.“

Warum aber kam es zu so einer weitreichenden Reform?

Aus dem Rückblick des Juristen: Mitte der 1960er-Jahre wurden in der Bundesrepublik die Bestrebungen konkret, größere Verwaltungseinheiten auf den kommunalen Ebenen zu schaffen. In Bayern erarbeitete das Staatsministerium des Innern unter dem Titel ,Landkreisgebietsreform‘ verschiedene Entwürfe zur Neugliederung der Landkreise und kreisfreien Städte. Landkreise gab es seinerzeit 143, kreisfreie Städte 48. Ziele waren etwa die Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung, die Steigerung ihrer Wirtschaftlichkeit und Effizienz, außerdem wollte man mehr Bürgernähe erreichen. Erreicht werden sollte dies durch die Schaffung größerer Kommunen.

So sollte die Mindestgröße eines Landkreises 80 000 Einwohner, die einer kreisfreien Stadt 50 000 Einwohner betragen. Angesichts mancher Landkreise und kreisfreier Städte mit damals nicht einmal 20 000 Erfolgsgeschichte fordert Tribut Einwohnern ein hoch gestecktes Ziel. Die bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte wurden 1971 und 1972 in zwei förmlichen Verfahren zu dem Konzept der neuen Kreislandschaft und ihrer Landratsämter angehört, um deren Zustimmung, Ablehnung oder Änderungswünsche zu erhalten und auszuwerten. Die endgültige Regelung sollte dann in einem formellen Landesgesetz erfolgen.

Im äußersten Südosten Oberbayerns mit drei Viertel der Grenze zu Österreich bestanden die beiden Landkreise Laufen mit 40 Gemeinden und 57 000 Einwohnern und Berchtesgaden mit 18 Gemeinden und 40 000 Einwohnern sowie die kreisfreie Stadt Bad Reichenhall mit 17 000 Einwohnern. Berchtesgaden und Laufen waren 1862 im Zuge der damaligen Trennung von Justiz und Verwaltung im Königreich Bayern entstanden. Bad Reichenhall besaß seit jeher das Stadtrecht und hatte 1929 den Status der Kreisfreiheit erhalten.

Das staatliche Konzept sah für dieses Gebiet die Bildung eines neuen, wesentlich größeren Kreises vor, und zwar durch die Zusammenlegung des unveränderten Landkreises Berchtesgaden, der unveränderten Stadt Bad Reichenhall und dem größeren Teil des Landkreises Laufen – Freilassing, Laufen und Teisendorf mit ihren Nahbereichen.

Tittmoning mit seinem Nahbereich sollte dem Landkreis Altötting, der Raum Waginger See dem Landkreis Traunstein zugeschlagen werden. Im Verlauf der Anhörungen wurden noch verschiedene kleinere Änderungen vorgenommen. Letztlich blieb es aber dabei, dass die drei Körperschaften zusammengelegt werden sollten, also Berchtesgaden und Bad Reichenhall ungeschmälert, Laufen aber nur zum größeren Teil, also ohne die Räume Waginger See und Tittmoning.

Gewinner, so sagt Roland Beier heute, war der Landkreis Berchtesgaden. Sein Gebiet ging ohne Abstriche in dem neuen Landkreis auf. Lediglich das Landratsamt in Berchtesgaden wurde offiziell aufgelöst und nach Bad Reichenhall verlegt. Aber auch Reichenhall konnte zufrieden sein. Es verlor zwar den Status einer kreisfreien Stadt, erhielt aber den neu geschaffenen Status einer sogenannten Großen Kreisstadt und wurde Sitz des Landratsamtes.

Großer Verlierer war hingegen war aus Sicht Beiers der Landkreis Laufen. Das Gebiet wurde auf die Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein und Altötting aufgeteilt. Der Name Laufen tauchte im Verzeichnis der bayerischen Landkreise nun nicht mehr auf. Laufen selbst war nicht mehr Kreisstadt und -mittelpunkt.

Immerhin wurde die Stadt in der Folgezeit zum Sitz des zentralen Amtsgerichts für den gesamten Landkreis und zum Sitz der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege.

Auch Standort für das Rottmayr- Gymnasium zu sein, gilt in der Bevölkerung als Ausgleich für den Verlust an Bedeutung. Schüler kommen so aus den früheren Gemeinden Laufens wie Fridolfing und Kirchanschöring. kp/rb

Klinikverbund als einer der größten Arbeitgeber der Region

Zwei Landkreise, sechs Standorte – Vorreiter bei Spitzenmedizin – eigenes Bildungszentrum

Erfolgsgeschichte fordert Tribut-2
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Liebe Bürgerinnen und Bürger,

50 Jahre ist es her, dass aus dem Landkreis Berchtesgaden, dem südlichen Teil des Landkreises Laufen und der kreisfreien Stadt Bad Reichenhall ein gemeinsames Berchtesgadener Land geworden ist. Es ist ein Landkreis mit vielen Unterschieden aber auch Gemeinsamkeiten. Ein Landkreis der Vielfalt und des Zusammenhalts. Vor allem aber ein Landkreis, auf den wir stolz sein können. Wer die vergangenen 50 Jahre betrachtet, wird auf viele schöne Erinnerungen zurückblicken, aber auch auf schwierige Zeiten und große Herausforderungen. Eines war dabei stets klar: Wenn Hilfe gebraucht wird, halten wir zusammen. Darum bin ich überzeugt, dass wir auch nach den nächsten 50 Jahren auf einen einzigartigen und starken Landkreis Berchtesgadener Land stolz sein werden.

Ihr Landrat
Bernhard Kern